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B-Vitamine verringern Gehirnatrophie-Rate

Leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI): B-Vitamine verringern Gehirnatrophie-Rate

Leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI): B-Vitamine verringern Gehirnatrophie-Rate

Im Rahmen des OPTIMA-Projekts (Oxford Project to Investigate Memory and Aging) der Universität von Oxford ist den Wissenschaftlern mit der VITACOG-Interventionsstudie (homocysteine and B vitamins in cognitive impairment) ein Durchbruch gelungen. Prof. David A. Smith und seine britischen und schwedischen Kollegen wiesen nach, dass eine Behandlung mit Folsäure, Vitamin B12 und B6 die Atrophie-Rate des Gehirns von Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) um durchschnittlich 29,6% reduziert.

Bei Patienten mit Homocystein größer 13,0 µmol/L zu Beginn der Studie war die Wirkung der B-Vitamine auf die Rate der Gehirn-Atrophie am größten und wurde um 53% reduziert.

An der doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie nahmen 271 Freiwillige mit kognitiven Defiziten teil. Über zwei Jahre bekamen sie täglich entweder die B-Vitamine oder Placebo. Die Probanden waren 70 Jahre alt oder älter und hatten nachweislich MCI mit oder ohne Gedächtnisstörungen.

Zu Beginn und nach 24 Monaten wurde ein volumetrisches MRI (Magnet-Resonanz-Imaging) nach der SIENA-Methode durchgeführt, die eine sehr sensitive und genaue Messung der Hirnatrophie erlaubt. Die Auswertung beider MRI-Messungen war bei 168 Teilnehmern möglich.

Nach Alter justiert, war die Rate der Abnahme an Gehirnsubstanz in der B-Vitamingruppe 0,76% [0,63-0,90] und in der Placebogruppe 1,08% [0,94-1,22] des Ausgangsvolumens, 95% CI, P=0,001. Die Atrophie-Rate war bei Vitamineinnahme somit um 29,6% geringer als in der Placebo-Gruppe. Signifikant waren auch die Assoziation der Atrophie-Rate mit der Verringerung des Homocystein-Spiegels und dem Anstieg des Holotranscobalamins.

Bei den Probanden, die anhand ihrer Vitaminspiegel als „biologisch compliant“ hinsichtlich der Verwendung von Vitaminsupplementen eingestuft werden konnten, waren auch Vitamin B12 und Folat signifikant mit der Atrophie-Rate assoziiert.

Subgruppenanalyse:

A: Faktoren, die unabhängig von der B-Vitaminbehandlung Einfluss auf die Atrophie-Rate hatten (signifikant):

  • Alter über 75 Jahre erhöhte die Atrophie-Rate
  • Schlaganfall oder Transitorische Ischämische Attacken (TIA) vor Beginn der Studie erhöhten die Atrophie-Rate
  • Vor Beginn der Studie Schlaganfall, TIA oder im 1. MRI entdeckte stille Infarkte erhöhten die Atrophie-Rate
  • Diabetes erhöhte die Atrophie-Rate. Dies scheint durch die Behandlung mit B-Vitaminen nicht beeinflussbar zu sein
  • Kreatinin über dem Median erhöht die Atrophie-Rate
  • Baseline-Homocystein unter dem Median weist einen Trend für eine geringere Atrophie-Rate auf
  • Für Baseline-Hirnvolumina unter dem Median wurde ein Trend für eine erhöhte Atrophie-Rate dokumentiert

B: Faktoren, die den Effekt der B-Vitaminbehandlung signifikant beeinflussten

  • Schlaganfall oder Transitorische Ischämische Attacken (TIA) vor Beginn der Studie: Diese Subgruppe profitierte stark von der B-Vitaminbehandlung
  • Die kontinuierliche Einnahme von Aspirin (Baseline) verringerte den Effekt der B-Vitamine
  • B-Vitamin-Supplemente Baseline neutralisierten den Effekt der Studienvitamine
  • Bei Baseline Homocystein-Konzentrationen im 1. Quartil (niedrigste Homocysteinkonzentrationen zu Beginn der Studie) hatte die B-Vitaminbehandlung keinen Effekt

In der Quartile mit den höchsten Homocysteinspiegeln (über 13,0 µmol/L) zu Beginn der Studie war die Wirkung der B-Vitamine auf die Rate der Gehirn-Atrophie am größten: Sie wurde um 53% reduziert. Somit ist Homocystein ein entscheidender Risikofaktor für Gehirnatrophie.

Die Studie ist ein Pilotprojekt für weitere Interventionsstudien, in der neben der Atrophie des Gehirns auch die Wirkung der Homocysteinsenkung und der einzelnen B-Vitamine auf die kognitiven Fähigkeiten untersucht werden sollen. In der aktuellen Studie wurden bereits erste Daten zur Kognition erhoben. Dabei stellte sich heraus, dass die Leistungen in den Kognitions-Tests MMSE und TICS-M am Ende der Studie mit der Rate der Hirn-Atrophie korrelierten. Die Details dieser Ergebnisse werden separat publiziert.
Originalpublikation unter www.plosone.org